Beschuldigen

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Schuldzuweisungen sind die Lenkwaffe im Beziehungskampf. Sie haben ein fest vorgegebenes Ziel und sind in der Regel sehr treffsicher: Der oder die andere ist schuld. Treffer versenkt. Das ist sehr praktisch, denn wenn meine Partnerin schuld ist, bin ich frei von Schuld. In dem Punkt sind sich Beschuldigen und Rechtfertigen sehr ähnlich. In beiden Fällen geht es um das gleiche: Verantwortung? Nein, danke!

 
Die klassische Angriffswaffejames-bond-1015614_1920

Beschuldigen ist im Grunde nur das größere Kaliber, denn anders als die Rechtfertigung, der es vorrangig um Verteidigung geht, ist die Schuldzuweisung eine klassische Angriffswaffe, die Kollateralschäden billigend in Kauf nimmt. Profi-Beschuldiger greifen besonders gerne zum halb- oder sogar zum vollautomatischen Modell. Da ist kein umständliches Entsichern oder Nachladen nötig, weil im Magazin genügend Munition vorrätig ist und weil die Schussfolge so schnell ist, dass mindestens eine Kugel ihr Ziel trifft. Ganz sicher.

 

In jedem steckt ein kleiner Beschuldiger

Beschuldigen ist die Hauptdisziplin des Verfolgers. Ein richtig guter Beschuldiger kann wirklich jeden seiner Fehler dem anderen in die Schuhe schieben. Er kommt zu spät? „Ja, aber nur weil Du vergessen hast, den Müll rauszutragen...“ Immer ist der Partner schuld, das wird laut und vehement kundgetan. Die Beziehung funktioniert nicht? Klar, weil der Partner dieses, jenes oder gar nichts macht. Und so weiter. In jedem von uns steckt ein kleiner oder größerer Beschuldiger. Wenn der andere anders wäre, dann könnte ich wirklich glücklich sein… Auch hier zeigt sich wieder, dass wir nicht wirklich gelernt haben, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Viel lieber geben wir jedem und allem die Schuld dafür, dass irgendetwas nicht klappt. Nach dem Motto. „Nein, ich habe nicht vergessen, den Schirm mitzunehmen, der blöde Regen ist schuld daran, dass ich nass werde.“

 

Aggressives Beschuldigen macht Angst

beschuldigen2Je nachdem, wie aggressiv die Beschuldigungen sind, können sie in einer Partnerschaft gehörig für Angst und Schrecken sorgen und erschaffen ein Klima, in dem der eine ständig beschuldigt und der andere irgendwann nur noch in geduckter Haltung durch das Zuhause schleicht. Ähnlich wie das Rechtfertigen ist Beschuldigen so in unseren Gewohnheiten verankert, dass wir kaum in der Lage sind, die Beschuldigung als solche überhaupt zu erkennen.
Wir beschuldigen unseren Partner, damit wir ungeschoren davonkommen. Dabei muss es nicht immer um eine konkrete Handlung gehen. In der Beschuldigung entlädt sich oft der Frust über das eigene Leben, die marode Beziehung, den öden Job, den grauen Alltag, die finanziellen Nöte und so weiter. Wir verschaffen uns Luft, indem wir unseren Partner spüren lassen, dass er schuld ist. Nicht an den gerade aufgezählten großen Nummern, das wäre erstens zu peinlich, und zweitens geben wir so etwas in der Regel noch nicht einmal vor uns selbst zu. Stattdessen suchen wir uns kleinere Verfehlungen, für die wir unseren Partner verantwortlich machen. Andauernd und automatisch.

 
Hauptsache wir fühlen nichts
 

Beschuldigungen sind auch ein probates Mittel, um Gefühlen aus dem Weg zu gehen, die wir lieber nicht fühlen wollen. Klassisches Beispiel: Der über alles geliebte Enkel stößt beim Herumtollen mit dem Kopf an den Tisch und weint vor Schmerz. Wenn wir seinen Schmerz nicht mitfühlen wollen, seine Tränen und sein herzzerreißendes Weinen nicht ertragen können, beschuldigen wir seine Mama: „Kannst du nicht besser aufpassen?“ Damit sind wir genügend abgelenkt, um unseren Schmerz ignorieren zu können. Die Mama des Kleinen bekommt ihr Fett weg und ist verletzt. Und der Kleine? Vermutlich fragt er sich, was er falsch gemacht hat, weil die Großen jetzt streiten, anstatt ihn zu trösten. Typische Kollateralschäden, die wir bewusst oder unbewusst in Kauf nehmen.

 

beschuldigen3Wir zeigen mit dem Finger auf den Anderen

 

Im Drama-Modell sind wir damit in der Verfolger-Rolle. Wir zeigen mit dem Finger auf den anderen und lassen ihn, ohne dass wir das konkret aussprechen, spüren: Du bist nicht okay. Tatsächlich aber beschuldigen wir aus der gleichen Motivation heraus, die Opfer zum Jammern und Nörgeln veranlasst: Wir wollen um keinen Preis verantwortlich sein für die jeweilige Situation, den Stand unserer Beziehung oder unser Leben im Allgemeinen. Auf einer tieferen Ebene ist der beschuldigende Verfolger nichts anderes als ein verkleidetes Opfer, das Schäden beim Gegner in Kauf nimmt. Unser Partner ist schuld, damit wir schuldlos sein können. Undweil das nur funktioniert, wenn wir es beständig wiederholen, schalten wir auf Dauerfeuer.

 

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