Männer

Jungs kommen im Gender-Mainstreaming zu kurz

Gender-Mainstreaming. Jungs kommen zu kurz.

Vom Mut, über den Unterschied zu sprechen 

Der heutige Pelekanos-Preis für besonders mutige Journalisten geht an den geschätzten Alexander Klug, Redakteur der Heilbronner Stimme. Der Preis ist ausschließlich mit Anerkennung dotiert, davon allerdings reichlich. Alexander Klug hat in der Ausgabe vom 6. Februar 2018 der Stimme ein Interview mit dem Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten Hans Hopf veröffentlicht. Der Lehrer im Ruhestand ist Jahrgang 1942 und stellt klar: „Es ist nicht in Mode, sich für Jungs einzusetzen“. Das Interview zeigt deutlich, wie viel Schaden übertriebenes Gender-Mainstreaming, das politisch korrekte Ausblenden der Unterschiede zwischen den Geschlechtern, anrichtet. Auf beiden Seiten. 

Am Gender-Mainstreaming-Pranger

Gender-Mainstreaming
Das Original-Interview öffnet sich nach einem Klick ins Bild.
Hans Hopf sagt, Jungs kommen in Betreuungseinrichtungen und Schulen zu kurz, weil sich kaum jemand mit ihren geschlechtsspezifischen Bedürfnissen auseinandersetzt. Das so pointiert darzustellen ist mutig, denn heute riskiert jeder, der die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau thematisiert, einen Aufenthalt am öffentlichen Gender-Mainstreaming-Pranger. In der öffentlichen Debatte ist der Tenor der Gleichmacherei extrem mächtig. Wer geschlechtsspezifische Unterschiede thematisiert, gilt schnell als rückständig.

Gleichmacherei ist nicht Gleichberechtigung

Ich persönlich ärgere mich oft mehr über Männer, die in vorauseilendem Gehorsam Partei für jede Art von Gleichmacherei ergreifen, als über Frauen, die partout nichts von ihren spezifisch weiblichen Qualitäten wissen wollen. Letztere tun mir meist nur leid, denn sie verleugnen ohne erkennbaren Profit einen wichtigen Teil ihres Selbst. Das tun viele, scheinbar gleichgemachte Männer zwar auch, aber ihre Unterwürfigkeit vor dem Hintergrund der Debatte um Gender-Mainstreaming ärgert mich eher, als dass sie mich traurig macht. Keines davon ist besser oder schlechter als das andere. Schlimm sind vielmehr die Folgen, denn längst haben viele von uns den Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichmacherei vergessen.  Das ist fatal, denn wer alle Menschen gleich behandelt, handelt deshalb noch lange nicht gerecht.  

Jungs werden ruhig gestellt

gender-Mainstreaming. Jungs kommen zu kurz.
Jungs drängen gerne in den Vordergrund. Auch in Indien. (Foto: Matthias Stolla)
In dem Interview beweisen beide Mut: der Interviewte gleichermaßen wie der Interviewte. Das gefällt mir. Hans Hopf sagt, Jungs haben ein Imageproblem: „Zur Zeit werden sie ruhig gestellt.“ Klar, Jungs nerven oft, weil sie so unruhig sind. Weil es aber politisch unkorrekt ist, über Unterschiede zwischen männlich und weiblich zu reden, und weil es vor allem bequemer ist, die Symptome zu bekämpfen, blenden wir die Ursachen aus. Eine etwa ist der deutlich höhere Testosteron-Spiegel, den Jungs haben. Das klingt natürlich altmodisch. Kein Wunder, es ist eine altmodische, aber wissenschaftlich erwiesene Tatsache. Da hilft alle politisch Korrektheit im Gender-Mainstreaming  nichts: Jungs haben mehr von diesem Zeug und sind deshalb hibbeliger, mitunter auch körperlich aggressiver. Das muss nicht jedem gefallen, aber es ist eben natürlich. Aber weil nicht sein kann, was nicht sein darf, blenden wir die Ursachen aus, reden stattdessen lieber von Krankheiten wie ADHS und verordnen Medikamente in Massen. Ritalin zum Beispiel. Das ist der einfachste und politisch korrekte Weg, und er sorgt sogar für Profit.

Den Preis bezahlen beide Geschlechter

Gender-Mainstreaming. Jungs kommen zu kurz.
Jungs müssen toben. Das gehört zu ihrem natürlichen Programm. (Foto: Matthias Stolla)
Den Preis dafür bezahlen übrigens nicht nur die ruhig gestellten Jungs, die nicht selten später in die Depression hinüberwechseln, sondern auch die Mädchen. Zum einen nehmen wir ihnen die Chance, männliche Prinzipien kennenzulernen und damit umzugehen. Zum anderen ist sicher schon längst jemandem aufgefallen, dass die tendenziell ruhigere Art, mit der Mädchen Konflikte austragen, auch medikamentös behandelt werden sollte.  Noch so ein Markt für die Pharma-Industrie - Dank Gender-Mainstreaming. Hans Hopf berichtet von Schulen, in denen Jungs noch nicht einmal mehr auf dem Schulhof rennen oder toben dürfen. Und wir wundern uns, weil sie nicht stillsitzen im Unterricht. Was fällt uns noch alles ein, um Jungs zu Mädchen zu machen? 

Wir übersehen Qualitäten

Wir schauen als westlich geprägte und am Fortschritt orientierte Gesellschaft gerne herab auf andere Kulturen, die uns fremd und vor allem rückständig erscheinen. Manches davon können und dürfen wir tatsächlich nicht gut heißen, weil es unseren griechisch-christlich orientiertem  Menschenbild widerspricht: Verstümmelungen und andere Misshandlungen, Witwenverbrennung, Zwangsheirat, Ehrenmord etc. Aber wir übersehen dabei schnell, dass eine Unterscheidung zwischen weiblichen und männlichen Prinzipien nicht grundsätzlich schlecht ist. Im Gegenteil: Sie hat einen immanenten Vorteil, den wir gerade vorschnell opfern: die Akzeptanz des Einzelnen und seiner geschlechtsspezifischen Qualitäten. In vielen Kulturen, die wir als rückständig betrachten, gilt dieser Grundsatz noch. Auch in Europa.

Reine Männersache

Gender-Mainsttreaming. Die Jungs kommen zu kurz.
Wo Jungs Jungs sein dürfen: ohne Mütter auf kretischen Bergen. (Foto: Matthias Stolla)
Im Frühjahr 2013 war ich mit zehn Teilnehmern in der kretischen Bergwelt unterwegs: alle männlich, Väter und ihre Söhne im Alter zwischen sieben und 47. Nach vier wundervollen Tagen in der Wildnis machten wir Rast in einer Taverne in einem Bergdorf. Die Wirtin wollte wissen, was für eine Gruppe wir seien. Ich erklärte ihr unser rein männliches Projekt: Väter und Söhne unter sich in den Bergen. Sie verstand sofort: "Natürlich, wenn die Mütter dabei sind, können die Jungs keine richtigen Jungs sein." Mehr gab es nicht zu erklären. Im ländlichen Kreta weiß man noch um die Bedeutung von Frauen- und Männerkultur. In der Pelekanos Akademie auch.  

Unterschiedliche Prinzipien anerkennen

Ich bin froh, dass jemand wie Hans Hopf so deutlich Stellung bezieht und aus Erfahrung spricht: Jungs sind anders als Mädchen. Wir brauchen definitiv wieder mehr Mut zum Unterschied. Den gibt es nicht ohne Grund. In dieser Welt gibt es weibliche und männliche Prinzipien, damit Frauen und Männer voneinander lernen und sich in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen. Deshalb erleben Männer anders als Frauen, deshalb agieren und reagieren die Geschlechter unterschiedlich. Wer lieber politisch korrekt auf die totale Gleichheit pocht, darf das. Er tut damit nur weder Jungs noch Mädchen einen Gefallen.

Wir freuen uns über Dein Interesse. Gerne schicken wir Dir unseren Newsletter zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.