Briefe an die Frauen – der erste Brief

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LiebeFrau-logoErnsbach, den 4. Juli 2016

 

 

 

 

 

 

fühlst Du Dich angesprochen von dem Titel? Ich hab lange überlegt, ob ich meine Briefe nun an Dich als Frau schreiben soll oder an Dich als Weib. Ja, ich weiß, Weib ist heutzutage irgendwie negativ besetzt. Ich erinnere mich an eine Szene, als mein Mann Matthias und ich vor einigen Wochen bei der Bürgermeisterwahl unseres Städtchens hier im Hohenlohischen waren. Hier ist die Welt noch altmodisch, ein wenig spießig und ehrlich. Ich liebe das ja.

Aber ich will nicht abschweifen. Also, es war ziemlich eng, und mein Mann, Gentleman, der er nun mal ist, hat mir in der Enge einen Weg gebahnt, mich am Arm genommen und gesagt: „Komm, Weib.“ Ganz liebevoll. Aber meine ehemalige Nachbarin, ungefähr 20 Jahre älter als ich, stand direkt hinter uns und hat nach Luft geschnappt. „Sag mal“, hat sie zu mir gesagt, „so lässt Du mit Dir reden.“ Ich hab innerlich gelächelt, äußerlich auch, aber nicht ganz so amüsiert, und hab ihr nur gesagt: „Ich bin nun mal ein Weib.“ (Übringes ist die wertfreie Bedeutung von Weib nichts anderes als "Ehefrau".)

Nicht dass ich nicht auch eine Frau bin, natürlich, so rein biologisch sowieso, und es ist ja auch der korrekte Begriff für unser Geschlecht. Aber Frauen sind wir ja alle. Also Angela Merkel ist eine Frau und Ursula von der Leyhen, nur um mal ein paar Promis als Beispiel zu nennen. Oder Rita Süßmuth. Als Weiber würde ich die irgendwie nicht bezeichnen. Veronica Ferres ist so eine aus der Prominentenriege, die ich eher in die Weiber-Kategorie einordnen würde.

Irgendwie schade, dass dieser Begriff so negativ bewertet wird. Schließlich will ich ja über „weibliche“ Qualitäten schreiben in meiner neuen Blogreihe. Und dennoch scheue ich mich, sie „Briefe an die Weiber“ zu nennen. „Briefe an die Frauen“ klingt da schon verträglicher. Was meinst Du? Fühlst Du Dich als Weib? Oder doch eher als Frau? Gibt es für Dich einen Unterschied?

Wenn Du jetzt die Wahl hast, jede Woche von mir einen „Brief an die Frauen“ oder einen „Brief an die Weiber“ zu bekommen, welchen würdest Du wählen? Also nur so unter uns, inhaltlich steht genau das gleiche drin, das ist nicht die Frage. Ich schreibe, was ich zu schreiben habe. Über die ureigenen, weiblichen Qualitäten. Dinge wie Dienen, Empfangen, Selbstaufgabe, Sein und Hingabe. Hey, und ordne mich jetzt bitte nicht als völlig altmodisch Zurückgebliebene ein. Erst vor Kurzem habe ich in Facebook so einen Test gemacht über „Wie modern bist Du?", und wisst ihr, was rauskam: 10% altmodisch, 90 % modern. Also nix da, mit altmodisch. Ja, ehrlich. Ich bin eine ziemlich moderne Frau. Oder noch besser: Ich bin ein modernes Weib.

Ich bin ein modernes Weib, das sich bemüht, ihrem Mann zu dienen, das hier übrigens nächtelang sitzt und Onlinemessestände baut, Webseiten erstellt und Erklärfilme produziert, während der Göttergatte den Enkel ins Bett bringt… Dieses Bild war für einen kurzen Moment auch für mich etwas schwer zu verdauen. Aber, darum geht es mir ja auch gar nicht. Die Frage ist überhaupt nicht, was ich tue, sondern mit welcher Absicht ich es tue. Und meine Absicht ist, meinem Mann zu dienen.

Was geht in dir vor, wenn Du diesen Satz liest? Was denkst Du darüber? Ich weiß, für einen Blog, der dazu dienen soll, dir neue Erkenntnisse, Werkzeuge und Tipps zu geben, sind das viele Fragen anstelle von umsetzbaren Antworten. Aber noch bin ich mitten im Geburtsprozess, und ich weiß noch nicht so ganz genau, welches Baby da rauskommen wird.

War es nicht toll, früher, als Frauen ohne Ultraschall noch nicht wussten, welches Wesen da auf die Welt kommen wird? nIch meine, ich wusste ganz genau, dass ich einen Sohn bekommen werde. Schließlich hatte ich mir immer eine Tochter gewünscht… und damals wusste ich noch nicht, dass das Leben mich liebt. Also, nachdem ich mir 10 Monate (ja, so lange hat meine Schwangerschaft gedauert – wer hat eigentlich diesen 9-Monate-Mythos verbreitet???) eingeredet hatte, dass man auch einen Sohn lieben kann, kam dann ganz überraschend meine Tochter auf die Welt…. Hm. Heute ist die übrigens selbst Mama, und wenn ich mir dieses wunderbare Wesen zu anschaue, komme ich wieder auf meine Ursprungsfrage zurück: Wünsche ich mir für sie, dass sie weiterhin zu einer tollen Frau heranreift (und sie ist auf einem wundervollen Weg dahin) oder wünsche ich mir für sie, dass sie zu einem wundervollen Weib wird?

Ehrlich gesagt: Wenn ich wählen dürfte, würde ich das Weib nehmen. Und Du? Was willst du sein? Frau oder Weib? An welche von beiden, sollen meine Briefe adressiert sein?

Alles Liebe

Dee

 

 

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9 Gedanken zu „Briefe an die Frauen – der erste Brief

  1. Liebe Dee,
    ich bin ein Vollblut Weib und das werde ich immer bleiben.
    Sehr emanzipiert, oder nennen wir es lieber auf der Suche nach einer gesunden Balance,
    aber eben auch durch und durch Göttin, Königin, Prinzessin, Amazone, Lilith, Venus, Jeanne DÁrc, Mutter Theresa, Florence Nightingale……Frau mit all ihren Qualitäten.
    Eine friedvolle Kriegerin, keine Kämpferin…darin liegt für mich der feine Unterschied.
    In tiefer Verbundenheit
    Von Weib zu Weib
    Von Herzen Katrin

  2. Liebe Dee,
    Vielen Dank für diesen wunderbaren Text.
    Ich nehme das Weib, weil ich mich von diesem kraftvollen Ausdruck so angesprochen fühle.
    Für mich ist der Begriff aus grauer Vorzeitig längst nicht mehr verstaubt. Auch TV-Serien (Vorstadt-Weiber) oder Filme/Bücher (Superweib) haben das Wort wieder salonfähig gemacht.
    Allerdings stelle ich mir auch gleichzeitig die Frage: Gibt’s vom Gefühl einen Unterschied?
    Nein nicht wirklich. ..und von den Assoziationen?
    Ganz klar ja!
    Weiber sind für mich, ein bisschen frecher, ein bisschen lauter, nehmen sich ein bisschen mehr raus und noch ein bisschen mehr vom Leben.
    Also ich nehme das Weib, allein schon weil ich so gerne frech bin.
    LG Bianca

    1. Liebe Bianca,
      Danke für deine Assoziationene.. Ja, Weib „klingt“ für mich auch „frecher“… Aber eigentlich bin ich gar nicht so frech… oder doch? Ich finde das gerade super spannend…

      Danke für Deine Hilfe beim „Findungsprozess“.

      Liebe Grüße

      Dee

  3. Hey liebe Dee, wunderbar. Ich bin so ganz bei der Frau. Das Weib ist auch schön, aber für mich ist es die alte Sprache, die die Menschen vor mir gesprochen haben, so lange ist das noch gar nicht her. In allen Zeiten gab es Wörter, die den Respekt vor einer Sache ausdrückten und Wörter, die beschimpften. War das Weib damals noch gutes Deutsch (mit einem Wortstamm aus dem Mittelhochdeutschen), so ist es heute in eine andere Rolle geschlüpft. Ich bin in diesem Leben eine Frau, ich fühle mich modern und in der Zeit angekommen. Das Wort Weib ist schön, trifft aber meine Vorfahren. Aber Frau bin ich sehr sehr gerne… Danke für diese schönen Gedanken. Ich finde das sehr wertvoll und freue mich auf mehr. Ganz herzliche Grüße, Susanne

    1. Danke liebe Susanne, ja da kommt die Lektorin und dein Wissen hervor. Und ich habe auch recherchiert, dass Weib eigentlich früher die gebilderte Anrede war… Wie dem auch sei, ich hoffe Du wirst meine Briefe auch lesen, wenn sie an die „Weiber“ gehen… Ich bin immer noch nicht entschieden…

  4. Hey liebe Dee, ich wähle sehr gerne das WEIB! 🙂 Weil ich’s ein schönes Wort finde, weil es auf mich kraftvoll und sinnlich wirkt und auch weil ich es ursprünglicher finde als Frau. Danke für Deine schönen Zeilen und ich bin gespannt, wer oder was da schlüpfen wird bei Dir… 🙂

    1. Liebe Karin,
      Danke Du Weib. Ja auch auf mich wirkt es kraftvoll und bodenständig, sinnlich und weich. Danke für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Dee

  5. Hallo Dee,
    Habe lang nachgedacht über deine Ansprache und muss sagen,dass weder Weib, noch Frau für mich gerade zutreffend ist. Tief in meinem Inneren bin ich selbstverständlich gerne Frau,ich schaue häufig in den Spiegel,ärgere mich,wenn ich keine Zeit hatte meine Augenbrauen zu zupfen,oder keine Lust hatte mich zu schminken und einfach wie eine graue Maus mit Pferdeschwanz durch den Tag stolziere.
    Eine Frau hat so viele Möglichkeiten,so viele Facetten,so viel Wärme,Hingabe,Empathie,Liebe,Talent und ich bin stolz eine Frau zu sein.
    Aber viel mehr fühle ich mich gerade von dem Titel „Mutter“angesprochen.
    Was ja nicht nur schlecht ist,ich bin ja Mutter und dadurch auch sehr gerne. Aber im Strudel des alleinerziehend sein,merke ich täglich,dass die Frau in mir unterdrückt wird. Ich funktioniere,ich habe nie den Schoss frei,nie mein Bett für mich und von mir wird ständig etwas erwartet.ich muss Bedürfnisse erfüllen. Ich muss dienen. Und ich diene gerne.Das gilt für meine Kinder,ebenso für einen Mann an meiner Seite. Das Wort dienen finde ich in dem Sinne nicht negativ. Dienen ist schön….Wenn der andere das zu schätzen weiss,ebenso anerkennt und mir vielleicht mal anerkennend auf die Schulter klopft. Wenn dienen mit lachen und einer umarmung honoriert wird….Das spornt an.
    Ich bin gerne Frau,ich bin ein Befürworter der klassischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Ich mache gerne die Dinge,die von mir als Frau erwartet werden:kinder hüten,das heim schön machen,dekorieren zu bestimmten Anlässen,organisieren und alles im Blick haben. Das kann ich gut! Das ist mein Ding! Das ist das tolle an Frauen:uns entgeht nix!
    Kein Blick,keine Geste,kein Unterton….Und wir denken viel darüber nach,wie man sein Gegenüber glücklich machen kann. Egal ob Kind oder Mann,wir nehmen uns auch gern zurück,wenn es für jemanden wichtig ist. Das können wir gut!
    Dafür erwarte ich von meinem Mann auch die klassischen Dinge:sich um das Auto kümmern,um technisches und alles wofür man Werkzeug braucht.
    Ich möchte,dass er die Sprudelkästen trägt und mir andere schwere Dinge abnimmt. Das ist ok,sogar schön für mich,denn ich habe kein Problem damit,dass ich schwächer bin.
    Ich denke,wenn man wertgeschätzt wird und geliebt….Dann ist es egal wie mein geliebtes Gegenüber mich nennt:ob Weib,Frau,oder schwabbelpopo.ich müsste dann nicht darüber nachdenken,ob er verletzen wollte,sondern könnte mich köstlich lachend in seine Arme fallen lassen.

    1. Liebe Petra,
      das hast du wunderschön geschrieben. Und ja, wenn die Knöpfe noch so klein sind, dann bleibt die Frau und das Weib im Schatten der Mama…. Auch das gehört dazu und genau dafür haben wir die weibliche Qualität der „Sebstaufgabe“. Wie sonst könnten wir zulassen, dass sich da ein anderes Wesen in uns einnistet…
      Glaub mir, es dauert nicht mehr lange, dann wird auch die wunderbare Frau und das Weib in dir vermehrt auftauchen dürfen.
      Liebe Grüße und Danke für deine tollen Gedanken.
      Dee

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