Grollen

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Kampfmittel in Beziehungen

 

Schweigen kann ganz schön laut sein. Unheilvoll. So wie Donner oder das dumpfe Beben vor einem Vulkanausbruch. Die berühmte Ruhe vor dem Sturm also. In unserem Empfinden ist Grollen so gut wie nie positiv besetzt. Das hat seinen Grund. Grollen ist nichts anderes als Ärger und Frust, den wir nicht verbal äußern. Wir sagen nichts. Basta. Das hat eine Menge Vorteile für uns. Wir ersparen uns den Konflikt mit unserem Partner und haben – zunächst einmal – unsere Ruhe. „Du hast Recht und ich meine Ruhe“, sagen wir. Das klingt nach einem guten Geschäft. Und: Wir müssen uns nicht mit Widerworten und anderen Sichtweisen auseinandersetzen.

 

Wer nicht spricht, muss sich auch nichts anhören

Das ist sehr praktisch, wenn man einfach auf seiner Sichtweise beharren und Recht behalten will: Wer nichts anspricht, muss sich nichts anhören und entgeht so der Gefahr, sich selbst in Frage stellen zu müssen. Das wiederum eröffnet eine weitere Möglichkeit, die wir nach Herzenslust genießen können: Weil wir ja Recht haben und unser Partner im Unrecht ist, können wir ihn so lange strafen, wie wir Lust dazu haben: mit schlechter Laune, eisigem Schweigen, frostiger Freundlichkeit, beißendem Sarkasmus, Liebesentzug, Sexverweigerung – die Welt steckt voller Möglichkeiten, und schließlich ist Reden nur Silber und Schweigen Gold. Denken wir.

 

Der große Knall

grollen2Grollen ist jedoch ganz und gar nicht Gold. Grollen ist Gift. Für Beziehungen wie für uns selbst. Wir können noch so gute Schauspieler sein und unseren Ärger deckeln, vergraben und verdrängen, er ist deshalb nicht weg. Früher oder später wird er sich Bahn brechen. Zunächst sind es nur kleine, spitze Bemerkungen, die ihren Weg durch haarfeine Risse in unserer Selbstbeherrschung finden wie Magma, das sich durch dicke Gesteinsschichten seinen Weg an die Erdoberfläche bahnt. Irgendwann kommt der große Knall. Aber selbst in der Zeit davor vergiften Groll-Dämpfe unsere Beziehung. Denn niemand kennt uns besser als unser Partner. Er oder sie nimmt wahr, dass etwas im Argen liegt. Da können wir noch so beherrscht bleiben. Etwas dringt immer durch. Alles, was unten bleibt, wirkt jedoch in uns. Unser jahrelang angehäufter Groll vergiftet uns selbst. Magengeschwüre und Krebs entstehen so. Das klingt nicht nach einem guten Geschäft.

 

Ein Gift das gährt

Grollen ist also ein Kampfmittel, das nicht nur die Beziehung vergiftet, sondern auch denjenigen mit der Zeit buchstäblich körperlich krank macht, der ihn in sich trägt. Vor allem Menschen, die nie gelernt haben, ihren Ärger und ihre Wut angemessen auszudrücken, neigen dazu, Groll anzusammeln. Groll heißt, dass wir alle unausgesprochenen Dinge, die uns am Partner ärgern, und die Verletzungen, die uns der Partner irgendwann einmal zugefügt hat, in uns tragen. Dort schlummern und gären sie vor sich hin. In der Paarberatung geht es oft um Themen wie „Damals, vor 14 Jahren bei der Geburt unserer Tochter, hast du mich im Stich gelassen…“ Vor allem Frauen haben eine unendlich große Kammer mit wohl gehüteten Erinnerungen. Jede Untat ihres Partners wird dort gespeichert. Unverziehen natürlich. Angesammelter Groll macht bitter. Es steht Menschen oft ins Gesicht geschrieben. Sieh einfach mal in den Spiegel. Wohin zeigen deine Mundwinkel. Nach unten oder nach oben? Neigst du zu Sodbrennen oder Magenproblemen oder bist gar hin und wieder Opfer einer Magenschleimhautentzündung? Dann gehörst du ganz sicher zur Kategorie der Groller.

 

Wenn der Kragen platzt

Manchmal platzt auch Grollern der Kragen. Dann reagieren sie absolut unverständlich und unangemessen auf im Grunde belanglose Ereignisse. Angenommen der Mann kommt mal wieder zehn Minuten zu spät nach Hause und wird von einer Furie empfangen, die hysterisch brüllt, dass sie jetzt endgültig die Schnauze voll hat und er sich zum Teufel scheren kann. Der arme Kerl weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Schließlich hat sie in den letzten fünf Jahren nicht einmal erwähnt, dass sie es nicht mag, wenn er sich verspätet.
Im Psychodrama sind Groller hauptsächlich den Opfern zugeordnet. Wenn sie platzen, können sie auch zum Verfolger werden.

 

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