Liebesmittel

Mitteilen

Liebesmittel 3:  Mitteilen

Mitteilen - ersetzt Zurückziehen

Wir haben uns bereits mit dem Thema Kommunikation auseinandergesetzt und wissen jetzt, wie wichtig die Rolle des Zuhörers ist. Er bestimmt mit, wie weit der Sprecher ihn an seiner Gefühlswelt teilhaben lässt. Dieses in-die-Tiefe-gehen erfordert eine besondere Art der Kommunikation, eine die sich nicht nur auf die Bedeutung von Worten beschränkt. Tatsächlich kommunizieren wir auf vielfältige Weise. Wir benutzen Sprache und Worte, um uns verständlich zu machen. Dieser Kanal bedient den Verstand des Zuhörers, und in der Regel überschätzen wir ihn.

 

Wir hören viel zu oft, was wir hören wollen

Wir Menschen konzentrieren uns so sehr auf Worte und die Bedeutung, die wir ihnen beimessen, dass wir alle anderen Kanäle, die uns Information senden, ausblenden. Worte werden überschätzt. Tatsächlich ist Sprache zugleich die Ursache von Missverständnissen. Wir glauben so oft, unseren Partner zu verstehen, weil unser Verstand das, was wir hören, so interpretiert, dass es für ihn Sinn ergibt. Wir hören im Grunde viel zu oft, was wir hören wollen, weil wir Unbequemes nicht an uns heranlassen wollen. Wir diskutieren natürlich auch gerne über das, was wir zu verstehen glauben. Wir sprechen gerne über Worte und Sätze. Hin und wieder räumen wir auch ein, etwas missverstanden zu haben. Das ist bekanntes, beherrschbares Terrain für uns.
Spannender wird es, wenn wir diese Bequemlichkeitszone verlassen und etwas Neues wagen: Wir beginnen unseren Partner zu sehen, indem wir uns trainieren, alles wahrzunehmen, was er – jenseits aller Worte - noch aussendet: Was drückt seine Stimme aus? Seine Mimik? Seine Augen? Seine Körperhaltung?

 

Mit Mut die Oberfläche verlassen

Wenn wir uns nicht mehr nur auf die Worte verlassen, nehmen wir eine Fülle von Informationen wahr, die uns mehr über unseren Partner mitteilen als 1000 Worte. Wir erfahren, was er fühlt, wie es ihm geht, wie er sein Leben, seine Partnerschaft, uns und sich selbst erlebt. Das erschafft Nähe und verhindert, dass Paare sich auseinanderleben. Voraussetzung ist, dass wir das Mitteilen üben. Solange wir nur beichten oder erzählen, erlauben wir uns nicht, in die Tiefe unseres Bewusstseins oder gar unseres Unterbewusstseins vorzudringen. Wenn wir mutig genug sind, die Oberfläche zu verlassen, tauchen wir hinab in die Tiefe, wo wir uns selbst begegnen können, anstatt weiter eine Rolle zu spielen. Das nennt man sich mitteilen.

 

Der Partner liest uns nun mal die Dinge nicht von den Augen ab

Vor allem die weibliche Fraktion lebt immer noch nach dem Grundsatz: „Er muss mir jeden Wunsch von den Augen ablesen.“ Wir wünschen uns so sehr, dass Mann von selbst darauf kommt, was wir brauchen und wollen, und wir wehren uns dagegen, es sagen zu müssen. Denn wenn ich sagen muss, dass ich mir wünsche, dass er mir Blumen mitbringt, dann ist das nicht das Gleiche, wie wenn er es von sich aus tut. Das ist für viele – vor allem weibliche – Leser leicht nachvollziehbar. Das Problem dabei: Er bringt die Blumen einfach nicht. Und wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann wollen wir, dass unser Partner uns die Wünsche von den Augen abliest, weil wir selbst gar nicht so genau wissen, was wir eigentlich wirklich wollen. Wir müssen lernen, uns mitzuteilen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Mitteilen ist viel mehr als nur reden. Beim Mitteilen geht es darum, dass wir das, was in uns ist, zeigen. Das ist ein sehr verletzlicher Prozess. Es geht darum, unseren Partner wissen zu lassen, was wir fühlen, was wir uns wünschen, wo unsere Sehnsüchte liegen. Wir sagen, was uns verletzt, was uns wütend macht. Wir legen unsere Seele auf den Tisch.

 

Mitteilen gibt unserem Partner die Chance uns Kennenzulernen

Das heißt nicht, dass unser Partner dann sofort all unsere Wünsche erfüllt und nichts mehr tut, das uns ärgert oder verletzt. Es ist auch nicht seine Aufgabe, uns unsere Ängste zu nehmen. Beim Mitteilen geht es einzig und allein darum, dass der andere die Möglichkeit hat, uns kennenzulernen – und ganz nebenbei lernen wir dadurch auch uns selbst kennen.
Denn es ist immer interessant zu sehen, dass die meisten Menschen wissen, was sie nicht (mehr) wollen, was ihnen nicht gefällt. Aber wenn es darum geht, was sie wollen oder was ihnen gefällt, herrscht oft Stille. Mitteilen ist deshalb ein gutes Trainingsfeld dafür, mehr über uns selbst herauszufinden.
Durch Mitteilen erschaffen wir eine enge Verbindung zu unserem Partner. Wir zeigen ihm nicht nur unsere Schokoladen-Seite Wir zeigen ihm unsere Zweifel, unseren Selbsthass, unsere Ängste und Sorgen. Wir zeigen ihm: Das hier bin ich. Um das zu tun, müssen wir uns unserer Angst davor bewusst sein, uns wirklich so zu zeigen, wie wir sind. Das Problem ist, dass wir uns ja nicht nur vor unserem Partner verstecken. Wir verstecken uns vor allem vor uns selbst.
Aber es lohnt sich. Laut dem kanadischen Bindungspsychologen Dr. Gordon Neufeld erschafft man die tiefste Stufe der Verbindung – die er sogar über die Liebe stellt – mit „erkannt sein“.
Sind wir also bereit dafür, dass unser Partner uns kennenlernt? Sind wir bereit dafür, uns selbst kennenzulernen? Ja? Dann gehört Mitteilen zu den Liebesmittel, die die tiefste Verbindung zu unserem Partner erschaffen können.

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