WeibsBriefe – 2

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Briefe an die Frauen

LiebesWeiblogobriefErnsbach, den 12. Juli 2016

 

 

 

 

 

               seit zwei Tagen sitze ich jetzt schon vor diesem weißen Blatt Papier (naja, meinem Fall natürlich die weiße Fläche des Word-Dokuments, aber das klingt nun mal nicht so lyrisch.) Weiß und leer ist beides und dies ist der gefühlt 100. Versuch, es mit Worten zu füllen.

Ich weiß ziemlich genau, was ich will. Ich will über die weiblichen Prinzipien schreiben, ich will Dich einladen, Dich als Frau, als Weib mit diesen Prinzipien auseinanderzusetzen, ich will, dass Werte wie Hingabe, Dienen, Sein, Vertrauen, Loslassen und Miteinander wieder ein fester Teil dieser Gesellschaft, ja dieser Welt werden. Durch Dich, durch uns als Weiber. Ich weiß nur nicht, WIE ich das machen soll.

Denn jedes Mal, wenn die Finger hier über die Tasten tippen, verbinde ich mich mit männlichen Prinzipien. Naja, muss ich ja auch, denn durch mein pures Sein tippt sich der Brief nun mal nicht. Also muss ich es „tun“, und da wären wir schon beim männlichen Prinzip.

Dann will ich hier natürlich Unterscheidungen treffen, sprich: Ich muss Trennen – männliches Prinzip. Ich will Dich auch aufwecken, laut schreiend sagen: „Hey Weib, erinnere Dich mal, wofür Du auf dieser Welt bist“ – super-männliches Prinzip von Aggression und Kampfbereitschaft.

Das sind gute Prinzipien ehrlich, auch wir Weiber brauchen sie. Aber irgendwie kommt es mir total paradox vor, Dich mit männlichen Prinzipien als Weib dazu einzuladen, Dich wieder mit Deinen weiblichen Prinzipien zu verbinden.

Schon das Wort Prinzipien klingt für mich so männlich.  Vielleicht nenne ich es ab sofort lieber Qualitäten.

Damit Du mich besser verstehen kannst (verstehen = männlich), schreibe ich mal die Prinzipien, äh, Qualitäten für Dich auf. Damit Dir klar ist, worüber ich hier eigentlich schreibe.

 

                         Männliche Prinzipien               Weibliche Prinzipien
                             Sonne | aktiv                           Mond | passiv         

                             Tun | Machen                     Sein | geschehen lassen

                               Anspannen                                Entspannen

                                 Denken                                       Fühlen

                                  Geben                                     Empfangen

                              Verurteilen                                  Vergeben

                                Trennen                                     Verbinden

                                  Logik                                         Intuition

                                Technisch                                   Natürlich

                                  Schnell                                      Langsam

                                 Angriff                                     Anpassung

                                Kontrolle                                     Vertrauen

                                  Kampf                                         Hingabe

                     Egozentriert | Egoistisch                 Selbstlos | Dienen

                              Einzelgänger                           Gemeinschafswesen

 

Verstehst Du jetzt, warum es mir so schwerfällt, diesen Brief zu schreiben?

Ich muss aktiv sein, ich muss es tun, ich sollte  dabei mein Denken einschalten – schon allein der Rechtschreibung wegen – der Brief sollte logisch aufgebaut sein, ich will dir etwas geben, anschließend muss ich die ganze Technik  (Blog, Homepage, etc...) machen. Und mal ganz ehrlich unter uns: Ich finde es tierisch wichtig, was ich zu sagen habe, und denke, dass alle Weiber dieser Welt das hören müssen –Egozentriertheit (= männlich) lässt grüßen.

So, wie es mir allein mit dem einfachen Schreiben dieses Briefes geht, so geht es uns Weibern jeden Tag. Unsere Welt funktioniert nun mal auf der Basis von männlichen Qualitäten, und wir Frauen haben uns dieser Welt extrem angepasst, weil wir da draußen nun mal mitagieren.

Das war was anders, als wir noch in unseren Höhlen saßen. Da waren die Männer in der Welt unterwegs, um Mammuts zu jagen und Kriege zu führen. Während wir gemütlich in der näheren Umgebung Beeren gesammelt haben, im Kreis saßen, die Kinder gehütet haben oder gemeinsam die Felle des Mammuts verarbeitet haben.

Heute gehen wir mit auf Mammutjagd. Ja wir führen sogar Kriege.

Gestern habe ich mich, nachdem ich zwei Seiten gefüllt und dann wieder gelöscht habe, an einen Film erinnert, den ich vor einigen Jahren mit einigen Freunden gesehen habe. Er heißt die Akte Jane. Ich weiß noch, wie verstört ich war, weil alle diese Frau so toll fanden und ich einfach nur erschrocken war und es überhaupt nicht verstehen konnte.

In dem Film geht es um die Navy Seals, die Elite-Kampftruppe der US Streitkräfte, und irgendeine Senatorin will durchsetzen, dass auch Frauen aufgenommen werden. Die Wahl fällt auf Demi Moore – im Film heißt sie Jane. Und so geht diese Frau durch das härteste Training dieser Welt. Tagelang kein Schlaf, Training bis zum Umfallen, körperlicher Schmerz, permanente Erniedrigung, weil die Ausbilder dir mit dem Megaphon die ganze Zeit ins Ohr brüllen, was für ein Schlappschwanz du bist. Die Gute zieht das echt durch. Sie besteht sogar darauf, keine Bonus-Zeiten und Extras zu bekommen, weil sie eine Frau ist. (Hier sei mal angemerkt liebe Mitweiber: Es gibt ganz viele Frauen, die rennen die 100 Meter schneller als so mancher Mann. Aber ich garantiere Euch: Der schnellste Mann wird immer schneller sein, als die schnellste Frau. Hat was mit Körperbau, Größe und Muskeln und Hormonen zu tun.)

Aber zurück zu unserer tapferen Soldatin: Sie rasiert sich die Haare, lässt sich prügeln, demütigen, trainiert wie eine Irre, um zu beweisen, dass sie genauso gut ist wie die Männer. Eigentlich ja sogar noch besser, weil sie ja die körperlichen Nachteile kompensieren muss. Und natürlich wird sie von ihren Kameraden überhaupt nicht akzeptiert. Erst als sie im Kampf ihrem Ausbilder anbrüllt: „Leck meinen Schwanz.“

Hm.

Jubel in der Männertruppe.

Großes Fragezeichen bei mir.

Ist das eine Begleiterscheinung der Emanzipation? Dass ich als Frau rufe „Leck meinen Schwanz“ und dadurch endlich die Anerkennung bekomme, die ich so dringend will oder meine zu brauchen.

Ja, man kann natürlich den Film unter dem Aspekt sehen von „wenn Du was wirklich willst und dafür kämpfst, dann schaffst du es auch“. Mir persönlich fehlt der Zugang dazu.

Ich finde es unglaublich traurig, dass wir Weiber heute in Kriege ziehen und als Soldatinnen kämpfen. Ich meine, ich finde Kriege an sich schrecklich, und ich finde auch furchtbar, dass Männer in den Krieg ziehen. Aber es gibt nun mal Kriege auf unserer Welt. Noch. Aber wollen wir als Frauen wirklich wie Jane sein?

Wie weit werden wir es treiben, das Spiel der Männer mitzuspielen? Bis wir ihnen zurufen „Leck meinen Schwanz?“

Ich will ein Weib sein und ich will, dass die weiblichen Qualitäten wieder eine Bedeutung und Wertigkeit bekommen für mich, ganz persönlich. Nicht gegen die männlichen Qualitäten, sondern im gesunden Ausgleich und Einklang. Im Miteinander der Qualitäten.

Liebe Grüße,

Deine

Dee

 

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2 Gedanken zu „WeibsBriefe – 2

  1. Liebe Dee,
    das ist wahrhaftig ein schwieriges Thema was Du hier berührst.
    Zumindest für mich.
    Ich finde es genauso schwer wie Du, diese Prinzipien gegenüber zu stellen, denn wenn man mal ganz ehrlich ist, (Ge)brauchen wir Frauen die hier den männlich zugeordneten Qualitäten durchaus und zwar schon immer:
    Frauen mussten tun und machen für ihre Aussteuer und zum Wohlergehen der Familie,
    ohne Anspannung ein Kind bekommen ist wohl schier unmöglich,
    Denken können war immer schon zum Vorteil, usw.usw.
    so könnten wir lustig fortfahren, ich denke wir brauchen es aber nicht und sollten es lieber lassen.
    Denn ist es nicht vielmehr so, dass wir alle, Männlein wie Weiblein, alle diese Aspekte in uns tragen?
    Mehr oder weniger gut entwickelt und wir alle aufgefordert sind eine gute Balance herzustellen?
    Ist es nicht vielleicht eher so, dass uns das Ausleben dieser „männlichen“ Aspekte zum Verhängnis wurde im Laufe des Patriachats und wir wieder ganz neu lernen mussten, dass wir sowohl-als auch sein dürfen?
    Ich glaube es ist wichtig uns daran zu erinnern, dass wir „vollkommen“ sind und und gegenseitig in unserer „Andersartigkeit“ anzuerkennen. Nicht den gleichen Fehler nochmal zu machen etwas untrennbar miteinander Verwobenes wieder willkürlich zu trennen nur um uns wieder „ganz“ als Frau zu fühlen?
    Wir dürfen die weiblichen Aspekte nicht mehr einfach wegdiskutieren (lassen) genauso wenig wie wir sie als Frau unterdrücken sollten. Wir sollten uns alle zeigen (dürfen) mit all unseren Facetten.
    Würde es uns sonst nicht an etwas mangeln? Sich das Bedürfnis entwickeln diesen Mangel durch ein anderes Individuum aufzuheben?
    Für mich macht es mehr Sinn, dass jeder alles was er/sie kann und was er/ sie mitbringt anerkennt und gut entwickelt, um dann in einer freiwilligen Gemeinschaft ein Team bildet wo durch Gemeinsamkeit mehr als 100% erreicht werden können.
    Begegnungen auf Augenhöhe von authentischen Menschen. Das wäre mein Wunsch.
    Herzlichst Katrin

    1. Liebe Katrin,
      oh wie wunderschön Du das geschrieben hast und wie sehr Du mir aus dem Herzen sprichst.
      Ja, wir haben alle alles in uns. Seit ich mich mit dem Thema intensiv beschäftige, bin ich aber etwas erschrocken, wie selbsst in mir, die ich mich als Vollweib bezeichne, meine weiblichen Qualitäten etwas verkümmert sind. Und auch in dieser Welt, ist die Wagschale etwas zu sehr ins männliche umgeschlagen. Ich weiß gar nicht, ob es am Patriarchat liegt, wahrscheinlich. Uns Frauen blieb nichts anders übrig als Mitzuspielen um uns irgendwie aus der Abhängigkeit und Unterdrückung befreien.
      Aber dabei geht viel verloren. Wir Frauen geben uns nicht mehr zufrieden damit Mutter zu sein, uns um die Küken zu kümmern. Wir wollen Beides. Wir wollen Erfolg und Karriere, wir wollen frei sein und unabhängig. Alles gut. Aber wir müssen uns auch klar sein, dass wir einen Preis dafür zahlen.
      Und nicht nur wir, die Männer auch. Denn ohne uns und unsere weiblichen Qualitäten, können auch sie die weiblichen Qualitäten in sich nicht mehr entdecken.
      Ich glaube zutiefst daran, dass mein Mann und ich uns gegenseitig in der Vervollkommung unseres Selbsts unterstützen können. Durch die tiefe Akzeptanz und Anerkennung des anderen.
      Danke für deine Worte und für deine Unterstützung.
      Liebe Grüße
      Dee

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